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„Wir scheuen keine Konflikte“

21.03.2011 Aktuelles

Das Schulklassenprogramm zur Ausstellung zum Zivilen Friedensdienst, die vom 24.1. bis zum 24.2. 2011 im Anton-Fingerle-Bildungszentrum in München gastierte.

 

Politik interessiert nicht
„Jugendliche interessieren sich nicht für Politik“ – Das meinen nicht wenige PädagogInnen. Aber auch viele engagierte Jugendliche beklagen die Gleichgültigkeit ihrer Gleichaltrigen. Studien belegen, dass sich das Desinteresse vieler Jugendlichen nur auf das bezieht, was sie mit dem Begriff Politik assoziieren, nämlich Parteipolitik und Selbstdarstellungen von PolitikerInnen. Viele politische Themen wie Krieg, Gerechtigkeit, Mitbestimmung oder Integration hingegen werden durchaus als wichtig und spannend empfunden. So gibt es – selbstverständlich – viele Projekte mit Jugendlichen zu politischen Inhalten, die gute Resonanz finden. Ein solches Projekt ist das Schulklassenprogramm zur Ausstellung „Wir scheuen keine Konflikte“.

Die Ausstellung und ihr Thema
„Wenn wir uns um so Konflikte in Afrika kümmern, dann gehen deutsche Soldaten hin und dann müssen die kämpfen und dann gibt es Tote und das will doch niemand. Das machen wir nicht. Das ist doch voll logisch.“ So die Aussage eines 14-jährigen Realschülers im Schulklassenprogramm zur Ausstellung „Wir scheuen keine Konflikte“. Diese Ausstellung zeigt Beispiele von Zivilem Friedensdienst. Wie der Schüler denken auch viele Erwachsene zuerst an Militäreinsätze oder Blauhelm-Soldaten, wenn es um internationale Hilfe in Konfliktregionen geht. Seit etwa zehn Jahren praktizieren staatliche und nicht-staatliche Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit einen anderen Weg. In Deutschland ausgebildete Friedensfachkräfte, eine Sonderform von Entwicklungshelfer, unterstützen vor Ort die lokalen Gruppen der Zivilgesellschaft Frieden wieder herzustellen und Demokratie und Gerechtigkeit zu stabilisieren. Diese Arbeit sowie der Zivile Friedensdienst selbst sind immer noch weitgehend unbekannt. Die Ausstellung „Wir scheuen keine Konflikte“ möchte das überwinden.

Die Ausstellung in München
Das Pädagogische Institut im Münchner Referat für Bildung und Sport und die Arbeitsgemeinschaft Friedenspädagogik e. V. haben diese Ausstellung nach München ins Anton-Fingerle-Bildungszentrum geholt und ein Schulklassenprogramm angeboten. Es kamen knapp 250 Schülerund Schülerinnen aus Gymnasien, Realschulen, Berufsschulen und dem Berufsvorbereitungsjahr. Jedes Programm wurde von einer Mitarbeiterin der AGFP und drei Studierenden durchgeführt.

Erfolgsgeheimnis konkret. Streit um Strohhalme
Die Ausstellung und das Programm kamen nicht nur bei den Lehrkräften, sondern auch bei den Schülern und Schülerinnen gut an. Ein Grund dafür, so vermuten wir, sind die konkreten Geschichten. Ein Konzept für Frieden wird sichtbar. Es gibt Bilder, die von Problemen und Problemlösungen erzählen. So berichtet die Ausstellung über einen „Streit um Strohhalme“ im Niger. Früher konnten die nomadischen Viehzüchter ihre Herden auf den abgeernteten Feldern der sesshaften Kleinbauern weiden lassen. Seit als Folge des Klimawandels die Regenfälle häufiger ausbleiben, gibt es Streit um die Ernterückstände, der sich zu gewaltsamen Konflikten ausweitet. Den Klimawandel haben die Menschen im Niger viel weniger verschuldet als die Menschen in Industrienationen. Deshalb ist es nur gerecht, wenn z. B. der deutsche Entwicklungsdienst (DED) die Menschen im Niger unterstützt. Er sendet Friedensfachkräfte in den Niger, die den Dialog zwischen den Bauern und den Viehzüchtern fördern, damit beiden bewusst wird, dass sie einander brauchen: Die Bauern brauchen das Fleisch und die Milch der Viehzüchter, diese die Hirse der Bauern. Gemeinsam werden Pläne für eine gerechte Landnutzung erarbeitet.

Erfolgsgeheimnis Dialog
Ein weiterer wichtiger Faktor für den Erfolg ist unserer Ansicht nach die Kleingruppenarbeit. Da für jede Schulklasse vier Betreuende zur Verfügung standen, konnten die Gespräche über die Projektbeispiele der Ausstellung und die Arbeit an Themen in kleinen Gruppen stattfinden. So war es möglich, dass alle Jugendliche ihre Eindrücke, ihre Vorerfahrungen und ihre Fragen einbringen konnten, und sie erlebten, dass ihre Meinungen zum Thema der Gruppe wurden. Die Jugendlichen werden ernst genommen. Zu den Themen der Ausstellung haben sie viel beizutragen. Oft kommen sie aus Regionen, von denen die Ausstellung berichtet, oder sie kennen Leute aus diesen Regionen. Und sie sind aufgeschlossen, gegenüber den Fragen, die sich mit der Ausstellung stellen und gegenüber den fremden Erwachsenen, die mit ihnen arbeiten. Das sind für sie Ansprechpartner, mit denen sie sich über Perspektiven auf die Welt austauschen können.

Wiederholbar
Dieses Projekt politischer Bildung kann weitergeführt werden. Viele Studierende haben gelernt, die Ausstellung mit Jugendlichen zu einem „Ort des politischen Diskurses“ zu machen, und die Ausstellung selbst (15 Tafeln im Format 80 x 120 cm) bleibt auf Dauer in München und kann über die AGFP ausgeliehen werden.

 

Kontakt

Links:

» Arbeitsgemeinschaft Friedenspädagogik e. V.