Meditieren reicht nicht

Erstellt von Franziska Lackamp

Volontärin Franzi spricht mit dem buddhistischen Mönch Venerable Hae Sun Sunim über den Achtsamkeitsbegriff. Sie wollte von ihm wissen, was eigentlich dahinter steckt.

Das Angebot an Meditationsapps und Achtsamkeitstagebüchern ist in den letzten Jahren schier explodiert. Die Corona-Pandemie und der zunehmende Leistungsdruck haben dafür gesorgt, dass sich immer mehr Menschen nach Entspannung und einem achtsamen Leben sehnen. Der Achtsamkeitsbegriff hat seine Wurzeln im Buddhismus. Meist wird er aber nicht im buddhistischen Kontext verwendet. Volontärin Franzi wollte mehr darüber wissen und hat mit dem buddhistischen Mönch Venerable Hae Sun Sunim gesprochen. Er ist Abt im Bodhidharma Tempel München.

[0:17] Achtsamkeit ist ja zu so einer Art Trendbegriff geworden und der Begriff hat ja eigentlich seine Wurzeln im Buddhismus. Also, was steckt denn jetzt genau hinter dem Begriff der Achtsamkeit?

Venerable Hae Sun Sunim: "(…) Das bedeutet im Buddhismus eigentlich, dass wir uns achtsam in dem Sinne verhalten, indem wir im gegenwärtigen Augenblick uns bewegen. Weil der Buddhismus sagt, viele Probleme entstehen dadurch, dass wir ständig mit unseren Gedanken woanders sind. Wir sind entweder in der Vergangenheit, aber die Vergangenheit existiert ja nicht mehr. (...) Zum anderen machen wir uns Sorgen über die Zukunft. Aber die Zukunft ist ja noch gar nicht da (…)"

[5:25] Sie haben ja jetzt gerade selber angesprochen, dass es zu Problemen führen kann, wenn man den Begriff aus dem buddhistischen Kontext herausreißt. Aber welche Probleme meinen Sie da genau?

Venerable Hae Sun Sunim: "(…) Im Buddhismus geht's nicht nur um Meditation, es geht auch um Ethik und Weisheit. Wenn man sich nur noch auf Achtsamkeit konzentriert, im Sinne, dass man eine Art Wettrennen veranstaltet, wer am besten meditieren kann und wer am besten entspannt ist, kann die Ethik vernachlässigt werden (...)." 

[7:23] Wie stehen Sie denn zum Beispiel zu Achtsamkeitstrainings oder Achtsamkeitsbüchern, die gar nichts mit dem Buddhismus zu tun haben. Können die funktionieren und sind die sinnvoll?

Venerable Hae Sun Sunim: "Sie sind sinnvoll, aber immer abhängig davon, wie sie zum einen dieses Thema vermitteln. Das hängt natürlich auch vom Autor oder vom Lehrer ab. Zum anderen auch, wie die Leute, die diese Bücher lesen, dieses Thema aufnehmen. Es ist nicht gerade selten der Fall, dass man über diese ethischen Sachen der Achtsamkeit redet und die Leute es nicht verstehen. (…) Die sind dann nur auf die Meditation fixiert (…)."

Das ganze Interview findet ihr hier: 

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