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Sich als Zweitzeug*in gegen Rassismus stark machen

Erstellt von Mila Westphal

Wie sieht die Erinnerung an den Nationalsozialismus ohne Zeitzeug*innen aus? Mit dieser Frage setzt sich der Verein Zweitzeugen auseinander.

Vanessa Eisenhardt ist beim Verein Zweitzeugen tätig. Dort beschäftigt sie sich mit den Geschichten von Holocaust-Überlebenden - und wird so selbst zur Zeugin. Aber die Geschichten behält sie nicht für sich. Sie erzählt sie weiter, viel auch an Kinder und Jugendliche. Denn so kann man Antisemitismus und Rassismus vorbeugen. Im Gespräch erzählt sie mehr von ihrer Arbeit.

[0:57] Was möchtet ihr mit eurem Engagement bewegen?

Vanessa: "Wir haben gemerkt (...), dass gerade sehr, sehr viele Zeitzeug*innen des Nationalsozialismus (...) sterben (...), weil sie alt sind. (...) Aber vielen fällt es auch immer schwerer, desto älter sie werden, ihre Überlebensgeschichten zu erzählen. Denn das ist einfach nicht ein Erzählen von Erinnerungen oder von einer Anekdote, sondern Erzählen über ein Trauma. Und das fällt ihnen unglaublich schwer. (...) Das ist nämlich das, was sie uns immer mitgeben, sie sagen 'Ich kann nicht mehr, aber ich fühle mich dazu verpflichtet, darüber zu erzählen' (...). Und wir möchten ihnen gerne diese Last und auch Verantwortung von den Schultern nehmen."

[4:21] Warum ist es denn deiner Meinung nach wichtig, dass die Geschichten von Zeitzeug*innen weitererzählt werden?

Vanessa: "Antisemitismus hat nicht mit dem 8. Mai 1945 aufgehört. Es ist immer weiter gegangen. Und es gibt immer wieder neu auftauchende Formen von Antisemitismus. (...) Geschichte wiederholt sich nicht, aber Geschichte reimt sich. Und genau deswegen finde ich es wichtig, die Überlebensgeschichten weiterzuerzählen, daran zu erinnern, aber zum Beispiel auch zu schauen: (...) Wie ist das entstanden, welche Strukturen hat das gebraucht? Und deswegen finde ich zum Beispiel auch Forschung zum Thema Antisemitismus, Holocaust und Nationalsozialismus so wichtig."

[5:50] Ihr leistet vor allem auch Bildungsarbeit an Schulen. Warum ist es so wichtig, dass auch Kinder und Jugendliche die Geschichten der Zeitzeug*innen kennen?

Vanessa: "Das ist besonders wichtig, weil wir gerne auch in diesen Prozess von Vorurteilsbildung mit reingreifen wollen (...). Es gibt eine Studie dazu: Die ersten Vorurteile bilden sich im Alter von drei bis vier Jahren. Das heißt, mit zehn Jahren hat man schon Vorurteile, aber man kann sie (...) noch aufbrechen, die Vorurteile sind noch nicht so verfestigt. Also antisemitische Vorurteile (...) können wir damit, so hoffen wir, unterbrechen. Und was uns vor allen Dingen auch wichtig ist, ist zu zeigen, dass hinter diesen großen Zahlen, diesem abstrakten, riesengroßen Themenkomplex 'Holocaust' (...) Menschen hinter stecken."

Das komplette Interview mit Vanessa Eisenhardt könnt ihr hier nachhören:

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