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Wie sich Rechtsextremismus in Deutschland ausbreitet

Im Gespräch mit Andrea Röpke.

Andrea Röpke ist freie Journalistin und Politologin. Sie befasst sich seit über 25 Jahren mit dem Themenbereich Rechtsextremismus. Sie schreibt Bücher, dreht Filme und hält Vorträge zu diesem Thema. Ihr neustes Buch ist 2019 erschienen und heißt "Völkische Landnahme: Alte Sippen, junge Siedler, rechte Ökos". Es geht um Rechtsextreme, die sich bewusst auf dem Land ansiedeln, um ihre Ideologie dort zu verbreiten. Im Gespräch spricht sie ganz allgemein über Rechtsextremismus in Deutschland und über die Inhalte ihres Buches.

[01:13] Am 29. August 2020 haben Rechtsradikale versucht, im Zuge einer Corona-Demo, in das Reichstagsgebäude einzudringen. War das Ereignis für Sie überraschend?

Frau Röpke: "Dass die Szene gefährlich ist, wusste man. Aber das das jetzt von so scheinbar ganz normalen Menschen ausgeübt wird, dass die Menschen sich unter der Fahne des Deutschen Reichs wiederfinden, dass sie QAnon, also Verschwörungstheorien die eindeutig antisemitisch und völlig gaga sind, derartig hinterherrennen, da sieht man einfach, dass wir an Präventionen und Vorsichtsmaßnahmen gegen Rechts eine ganze Menge versäumt haben. Gefährlich versäumt haben."

[04:40] Was glauben Sie, warum fällt es manchen Menschen so schwer zu akzeptieren, dass Rechtsextremismus allgegenwärtig ist in Deutschland?

Frau Röpke: "Naja ganz vereinfacht gesagt, ist es uns immer lieber, wir kümmern uns um die Probleme in der Welt weit draußen. Wenn irgendwo Kriege sind oder wenn der Islamismus uns bedroht, dann ist das immer ganz ganz weit von unserer eigenen Haustür weg. Aber der Rechtsextremismus bedroht uns alle. Es ist wirklich alltägliche Gewalt. […] Wer setzt sich da gerne mit auseinander. Wir merken es gerade in Pandemie-Zeiten ja, wie wir auf einmal überfordert sind, wenn wir alle als Sozialgemeinschaft handeln sollen. […] Es ist immer sehr schwierig, wenn wir selber gefragt sind, selber vor unserer Haustür hinterfragen müssen, was geht hier eigentlich gesellschaftlich gerade ab und wo müssen wir ganz eklatant jetzt eigentlich handeln."

[11:52] Was wünschen Sie sich denn von der Politik? Wie sollte die mit Rechtsextremismus umgehen?

Frau Röpke: "Ich würde mir endlich wünschen, dass man sich zum Antifaschismus bekennt und den nicht immer angreift. Ich würde mir wünschen, dass wir wieder viel verstärkter eine Soziale- und Solidargemeinschaft werden. Dass wir uns stärker positionieren, dass wir uns mehr trauen, dass wir den Menschen, die sich engagieren, den Rücken stärken, dass wir uns nicht von den Rechten vor sich hertreiben lassen […]. Da gibt es ganz ganz viel zu tun […]."

Das komplette Interview mit Andrea Röpke könnt ihr hier nachhören: 

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