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"Ich habe viel geweint wegen meinen Haaren"

Ein Gespräch über Alltagsrassismus im Friseursalon und die Black Lives Matter-Bewegung

Sabrina Harper ist Redaktionsleiterin in einem Fachverlag. Nach ihrem Abschluss als Gesundheits- und Krankenpflegerin lebte sie einige Jahre in der Schweiz und studierte Journalismus und Organisationskommunikation. Die 37- jährige ist Fachwirtin für Marketing und engagiert sich in ihrer Freizeit für mehr Demokratie und Meinungspluralität bei der Initiative München Spricht. Wir haben mit ihr über ihre persönlichen Erfahrungen mit Rassismus und über ihre Eindrücke der Black Lives Matter-Bewegung gesprochen.

[20:39] Wenn es jetzt um Partizipation und Solidarisierung geht, können wir ja nochmal über die schwarzen Kacheln die auf Instagram gepostet wurden, sprechen. Was war denn der erste Gedanke, der dir dazu kam als du das gesehen hast?

Sabrina: Der erste Gedanke der mir dazu kam (…) war: was für ein Scheiß! Und der zweite Gedanke war: (…) das schwarze Quadrat bringt mir jetzt einfach garnichts. Es ist jetzt da auf Instagram und in 24 Stunden ist es weg. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt, als diese schwarzen Kacheln gepostet wurden ja noch nicht, dass ich auf die Demo (der Silent Protest auf dem Königsplatz am 06.06.2020 Anm. d. Red.) gehen werde, aber jetzt, wo ich das ins Verhältnis setzen kann: diese Demo hat einfach ganz viel mit mir gemacht und war ja eigentlich die Übertragung der schwarzen Kacheln in die Realität. Dass Menschen sich Zeit genommen haben, zu einem bestimmten Ort gegangen sind und sich für etwas eingesetzt haben. Das war aber viel wertiger für mich. In dieser digitalen Welt schwarze Kacheln zu posten oder nicht zu posten ist für mich eine viel vergänglichere Sache, als sich auf diesem Platz zu treffen. (…)

[23:29] Das Ganze ist ja jetzt schon wieder ein bisschen her. Hast du das Gefühl, dass sich etwas ändert, oder findet schon wieder eine Art Verdrängung statt und das ganze Thema fällt wieder hinten runter?

Sabrina: Mir war schon da klar: es wird sich morgen nicht geändert haben. Das ist ja verankert in ganz vielen Strukturen, in Institutionen, im Alltag. Das wird noch Jahre dauern, Jahrzehnte, das ist ja so gelebt. Aber ich finde schon, dass sich was verändert hat. Es ist zwar wieder leiser geworden. Wir haben die großen Medien beispielsweise, die haben sich dem Thema jetzt auch mal angenommen und haben vielleicht mal ein bisschen reflektiert. (…)

 [26:04] Aber für dich hat sich, wie man raus hört, schon einiges getan.

Sabrina: Ja, also ich muss schon sagen - und ich glaube so wird es jedem gehen, der mit irgendeinem phänotypischen Merkmal durch die Gegend läuft: man findet seinen Weg. Es ist aber nicht so, dass ich davor verloren war. (…) 

Das komplette Interview mit Sabrina könnt ihr hier nachhören: