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Pressemitteilung vom 16.06.2020: 

And the winner is... "Ghostwriter" und "Anna und der wilde Wald"

Die Kinderjury von Radio Feierwerk zeichnet bei der virtuellen Preisverleihung zum diesjährigen „Prix Jeunesse International“ ihre Film- und Fernsehfavoriten aus

Am Donnerstag, den 11. Juni war es endlich soweit: Nach wochenlangem Filme einsprechen von rund 34 internationalen Produktionen, anschließendem Sichten und Bewerten von 11 Stunden Material im Home Kino und mit jeder Menge Herzblut und Leidenschaft im Gepäck, zeichnete die Kinderjury von Radio Feierwerk bei der virtuellen Preisverleihung zum „Prix Jeunesse International“ ihre Favoriten aus. Die beiden begehrten Preise der Kinderjury gehen 2020 in der Kategorie Fiction an die US-amerikanische TV-Serie „GHOSTWRITER“ und in der Kategorie Non-Fiction an die BR-Produktion „ANNA UND DER WILDE WALD“. Bei der feierlichen, virtuellen Award-Show des weltweit größten und ältesten Kinder- und Jugendfernsehfestivals war die Kinderjury von Radio Feierwerk durch einen Einspieler vertreten und verlieh den Regisseur*innen die „Goldenen Elefanten“ – dem eigens kreierten Symbol dieses ganz besonderen Preises, der erstmals im Jahr 2000 vergeben wurde. Die Show wurde von André Gatzke vom KiKA coronatauglich zusammen mit Puppen moderiert.  

Bild links: Caro und Christina von der Radio Feierwerk Kinderjury; Bild Mitte: vordere Reihe von links: Moderator André Gatzke und die Puppenspieler*innen,
hintere Reihe von links: Dr. Maya Götz (Leiterin der Stiftung Prix Jeunesse), Victoria Kube (Feierwerk-Praktikantin Prix), Vinzenz Schneider (Feierwerk-Praktikant
Prix), Patricia Bodensohn (Projektleitung Kinderjury Prix Jeunesse, Feierwerk Südpolstation), Patrick Schmidt (Feierwerk Praktikant Prix); Bild rechts: Martin und
Theresa von der Radio Feierwerk Kinderjury

Trotz Corona tagte die Kinderjury auch 2020. Zahlreiche kleine und große Ehrenamtliche haben geholfen, das Projekt zu realisieren. 34 Produktionen wurden im Home-Office „over-voiced“, damit die Kinderjury ihren Job machen konnte. Gut 11 Stunden Film waren zu sichten - eine umfangreiche Aufgabe, die manchmal zu sehr ungewöhnlichen Ermahnungen seitens der Eltern führte. Da hieß es schon mal „Du musst heute Abend noch was kucken. Und das hat meine Mutter noch nie zu mir gesagt, dass ich noch was kucken muss“, erzählt Jurorin Anna.

Bei den vielen tollen Produktionen kam es in der Kinderjury zu ausgiebigen und leidenschaftlichen Diskussionen. Der Film „Talking Heads“ basiert zum Beispiel auf der Idee, dass die Kinder in einer entspannten Situation beim Friseur offenbar wesentlich offener aus ihrem Leben erzählen. Sie sprechen über ihre Ängste und über das, was sie wirklich glücklich macht. Sehr berührt haben die Jury die Erzählungen des Jungen mit dem „Tourette-Syndrom“ oder des Mädchens, dessen Vater mit Krebs sterbenskrank im Krankenhaus liegt. „Ein ganz außergewöhnliches Format und eine so einfache wie geniale Idee, auf die halt bisher keiner gekommen ist“, sagt Projektleiterin Patricia Bodensohn und findet es sehr schön, dass sich eine Gruppe von Jurykindern massiv für eine gute Bewertung des Films eingesetzt hat, sodass „Talking Heads“ in die Shortlist der Kinderjury kam.

Hatten die Macher*innen hellseherische Fähigkeiten? Auch ein Beitrag über die Spanische Grippe war im Programm - ein ähnliches erschreckendes Phänomen wie die Corona-Pandemie mit Lockdown und der verzweifelten Suche danach, wie man die Krankheit behandeln kann. Allerdings wird in der Produktion versucht, das Thema irgendwie humoristisch zu behandeln, weswegen der Beitrag bei den Kindern schlecht wegkam. „Die haben einfach Themen genommen, die eigentlich überhaupt nicht schön sind, und die auch überhaupt nicht schön sind für meine siebenjährige Schwester, die da anzuschauen. Die haben sich quasi dann mit irgendwelchen schlimmsten Krankheiten der Welt oder so beschäftigt. Dass sie sich über sowas amüsieren können, fand ich irgendwie furchtbar. Also das ging gar nicht“, bringt der 10-jährige Martin die Kritik auf den Punkt.

Auch schwer verdauliche Produktionen wurden im Prinzip gut bewertet. Zwei Filme zum Thema Judenverfolgung in der Zeit des 2. Weltkriegs waren bei der Schulklassenjury führend in der Wertung. Die Produktionen waren toll gestaltet: ein Marionettenfilm, dessen Geschichte in einem polnischen Ghetto spielt sowie ein Beitrag, der auf verschiedenen zeitlichen Ebenen Zeichentrickelemente mit Interviews realer Zeitzeug*innen verbindet. In der Kinderjury wurden diese Filme allerdings auch unterschiedlich bewertet. Die Älteren fanden diese „... echt gut. Das waren halt ernste Themen, die man einfach nicht vergessen sollte.“ Heftige Szenen, in der die Oma niedergeschlagen und abgeholt wird oder die Kinder von ihren Eltern getrennt werden, haben trotz Zeichentrickformat die Jüngeren in der Kinderjury etwas überfordert. „Das fand ich sehr, sehr traurig. Deshalb haben meine Schwester und ich gleich unterbrochen und nicht weiter geschaut“ berichtet ein Jurymitglied. Einhellig positive Resonanz in der Jury fand hingegen die faszinierende und bewegende Geschichte eines behinderten Jungen, der darum kämpft, wieder laufen zu können. 

Die Kinderjury beim Filme sichten - Bild links: Lilly im Home Kino; Bild Mitte: Leo und Niko im Home Kino; Bild rechts: Emilia im Home Kino

Der „Prix Jeunesse International“ wird alle zwei Jahre von der gleichnamigen, beim Bayerischen Rundfunk angesiedelten Stiftung mit dem Ziel ausgerichtet, Qualität im Kinderfernsehen weltweit zu fördern. Ein wichtiger Bestandteil dieses weltweit größten Fernsehwettbewerbs für Kinder- und Jugendprogramme ist seit dem Jahr 2000 das von Radio Feierwerk und der Feierwerk Südpolstation organisierte Projekt Kinderjury. In Form von zwei Sonderpreisen, den begehrten „goldenen Elefanten“, entscheiden hier Kinder ab sieben Jahren als eigentliche Zielgruppe der Programme direkt darüber, welche Produktionen eine Auszeichnung verdient haben. Das Festivalmotto – ursprünglich „Listen to Kids TV: The Power of Sound“ – wurde angesichts der neuen Bedingungen abgeändert in „Virtual PRIX JEUNESSE INTERNATIONAL 2020: Separated by Crisis; Together in Commitment to Children“.

Das medienpädagogische Projekt „Prix Jeunesse Kinderjury“ ist eine Kooperation der Stiftung Prix Jeunesse und Radio Feierwerk. Alle Infos zu Radio Feierwerk gibt es auf radio.feierwerk.de.

Projektleitung: Patricia Bodensohn, prixjeunesse(at)feierwerk(dot)de

Die „Prix Jeunesse Kinderjury“ wird präsentiert von HIMBEER – München mit Kind

Infos zu den von der Kinderjury prämierten Filmen:

Kategorie Fiction 7 – 10 Jahre
„GHOSTWRITER“ (Episode: Ghost In Wonderland Part 1), Apple TV+, United States
Dauer: 23 Minuten
Alter: 6 – 11 Jahre
Regisseur: Luke Matheny

Kurzbeschreibung: „Ghostwriter“ ist eine im September 2019 neu gestartete Mystery-Serie, die Anfang der 90er Jahre vom amerikanischen Nonprofit-Kollektiv „Sesame Workshop“ entwickelt wurde. Jede Episode dreht sich um sowohl klassische Literatur als auch neue Werke, die bei populären Autoren wie D.J. MacHale and Kwame Alexander in Auftrag gegeben wurden. Die Episoden von „Ghost In Wonderland“ sind inspiriert von Lewis Carroll's „Alice in Wonderland“. Ein Geist spukt in einem Brooklyner Buchladen und einer Schule und beginnt, fiktionale Charaktere wie das Kaninchen oder den „Zauberer von Oz“ in die reale Welt zu entlassen. Der Geist hinterlässt geheime Botschaften, die nur die vier jungen Protagonisten sehen können. Die Kinder müssen sich zusammentun, um ein aufregendes Rätsel zu lösen, das die unerledigte Aufgabe des Geistes umgibt und werden dabei Freunde. Der erste Teil der Episode „Ghost In Wonderland“ endet mit einem waschechten Cliffhanger ...

Das Statement der Kinderjury: „Besonders gefallen hat uns an „ Ghostwriter “ , dass im Film Geister vorkommen. Wir treffen ja nicht jeden Tag einen Geist, von daher konnte uns der Film mitreißen. Die Idee, dass Figuren aus Geschichten in unsere Welt kommen, ist sehr interessant und lustig. Die Mischung aus Realität und Fantasie gefiel uns bei dem Film besonders gut. Gepunktet hat aber nicht nur die gute Filmidee, sondern auch die tollen Schauspieler, darunter der Hase, über den wir viel lachen mussten. Die geheimnisvollen und abenteuerlichen Schriften im Film sorgen für viel Spannung und Nervenkitzel. Außerdem überzeugt der Film mit einem überraschenden Ende, sodass wir sofort die nächste Folge schauen wollten“.

Kategorie Non-Fiction 7 – 10 Jahre
„ANNA UND DER WILDE WALD“ (Episode 4 „Wo sind die Steinmarder“),
Text und Bild Medienproduktion (für den BR), Deutschland
Dauer: 24 Minuten
 Alter: 6 – 10 Jahre
Regisseur: Ben Wolter

Kurzbeschreibung: Tierreporterin Anna reist normalerweise durch die ganze Welt, um wilde Tiere kennenzulernen. In den aktuellen Folgen ist sie in Bayern unterwegs und lernt die dortige Flora und Fauna besser kennen. Dazu trifft sich Anna mit dem „Woid Woife“ aus Bodenmais, einem echten Naturburschen. Er liebt den Wald und die Waldtiere und verbringt so viel Zeit wie möglich an der frischen Luft. Sein Bauwagen unter hohen Tannen ist Woife’s Rückzugsort und gleichzeitig eine Zuflucht für verletzte und verwaiste Tiere. In dieser Folge lernt Anna die jungen Mauswiesel Frieda und Lenni sowie das blinde Rehkitz Lilo kennen. Sie ist traurig, weil das kleine Wildschwein Maxl gestorben ist. Anna freut sich über ein Wiedersehen mit der Eule Kauzi und Simmerl, dem Eichhörnchen. Zusammen mit Woife versucht sie, die ausgebüchsten Steinmarder Seppi und Beppi wieder nach Hause zu locken.

Das Statement der Kinderjury: „In ‚Anna und der wilde Wald‘ gab es viel zu sehen, viel zum Bestaunen und zu lernen. Darunter natürlich auch die vielen kleinen Tiere, die wir alle sehr süß fanden. Aber auch sonst war der Film sehr interessant und informativ und wir konnten viel über die niedlichen Tiere lernen. Naturerkundungen finden wir zwar immer spannend, aber der Film hat uns nochmal gezeigt, in was für einem schönen Land wir doch (eigentlich) leben und wie wichtig es ist, die Natur und die Tiere darin nicht zu vergessen. Außerdem finden wir es lobenswert, dass der Film eben nicht wie andere Filme immer nur das Gute zeigt. Der Film hat (uns) gezeigt, dass auch in der Natur nicht immer alles gut geht. Und das zu zeigen ist ganz wichtig. Besonders an dem Film war aber auch, dass wir (beinahe) das Gefühl hatten, selber bei Wolfi und seinen Tieren zu sitzen. Auch deswegen warten wir umso gespannter auf die nächste Folge“.

 

Rückfragen gerne an: Julia Irländer || E-Mail: julia.irlaender(at)feierwerk(dot)de || Tel. 089 – 72 488 – 130


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