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„1000-Kreuze-Marsch“ in München: Religiös motivierte Abtreibungsgegner*innen mit antifeministischen und rechten Narrativen

Am 4. Oktober 2026 fand in München der sogenannte „1000-Kreuze-Marsch“ des Vereins „EuroProLife“ statt, der sich gegen Schwangerschaftsabbrüche richtet. Ausgangspunkt der Demonstration war der Odeonsplatz, von wo aus die Teilnehmenden in Richtung Friedensengel zogen. Dort fand eine Zwischenkundgebung mit einer als „Trauerzeremonie“ inszenierten Gedenkveranstaltung für abgetriebene Föten statt. In der Spitze nahmen rund 90 Personen an der Veranstaltung teil.

Begleitet wurde der Marsch von feministischem Gegenprotest. Entlang der Route kam es zu mehreren Versuchen, den Aufzug zu blockieren. Auch während der Auftakt- und Schlusskundgebungen richtete sich der Protest der Gegendemonstrant*innen immer wieder gegen die Veranstaltung. 

Organisiert wurde der Marsch von Wolfgang Hering, der sich als Begründer von „Märschen für das Leben“ inszenierte. So habe diese Form des Protestes gegen Schwangerschaftsabbrüche seinen Ausgang in München genommen. In seinen Ausführungen stellte er den Protest gegen Abtreibungen unter anderem in einen Zusammenhang mit kommunistischen Massenmorden, dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus und griff den politischen Gegner verbal an. 

 

Mörder, Grenzschließungen und Geschichtsrevisionismus 

Neben klassisch christlich-fundamentalistischen Positionen waren im Kontext der Demonstration auch politische Themen zu beobachten, die über den eigentlichen „Lebensschutz“-Diskurs hinausweisen. Ein Teilnehmer verband seine Ablehnung von Abtreibungen etwa mit Forderungen nach geschlossenen Grenzen und einer härteren Migrationspolitik. Ein anderer sprach von „Millionen Mördern“ in Deutschland und erklärte, man vertrete lediglich den Katholizismus in seiner traditionellen Form. Auch antisemitische beziehungsweise geschichtsrevisionistische Äußerungen waren im Umfeld der Veranstaltung zu hören. Im Zentrum der steht für die Mehrheit der Teilnehmenden die Vorstellung, Schwangerschaftsabbrüche seien grundsätzlich Mord. Selbst in Fällen von Vergewaltigung oder Inzest werden Schwangerschaftsabbrüche meist abgelehnt. Ein Teilnehmer bezeichnete Abtreibung gar als „Menschenopfer“ beziehungsweise als „diabolische Umkehrung“ des christlichen Messopfers. 

Auffällig ist damit erneut die Verbindung unterschiedlicher Diskurse. Bei den „1000-Kreuze-Märschen“ treten religiöser Fundamentalismus, antifeministische Argumentationen und – bei einzelnen Teilnehmenden – nationalistische, migrationsfeindliche oder geschichtsrevisionistische Positionen nebeneinander auf. Eine solche Verbindung wurde auch bei vergangenen „1000-Kreuze-Märschen“ in München dokumentiert. Die Veranstaltung zeigt damit, dass der organisierte „Lebensschutz“ nicht ausschließlich als religiöser Protest gegen Schwangerschaftsabbrüche betrachtet werden kann, sondern zugleich Räume für weitergehende rechte und antifeministische Positionen bietet.