Am Sonntag, den 20. September 2026, versammelten sich Mitglieder und Unterstützer*innen der „Identitären Bewegung“ (IB) in München zu einer Kundgebung auf dem Georg-Freundorfer-Platz. Die Veranstaltung stand im Zusammenhang mit der europaweiten Kampagne „Save Europe Act“, die zentrale Forderungen der IB nach einer weitgehenden Abschottung Europas, der Zurückdrängung von Migration und einer umfassenden Vertreibung und Deportation von Menschen mit Migrationsgeschichte bündelt. Bei der Kundgebung traten langjährige Kader der „Identitären Bewegung“ sowie bislang weniger öffentlich in Erscheinung getretene Aktivposten auf.
Gleichzeitig reisten Unterstützer*innen aus dem europäischen Ausland an. Auf Seiten der „Identitären Bewegung“ befanden sich unter anderem die langjährig aktiven „Identitären“ Annie Hunecke, Adrian Segner und Moritz Kirsch. Auch Erik A. und Erik E. waren vor Ort, letzterer war zuletzt an einer queerfeindlichen Aktion gegen den CSD München beteiligt. Mit Jonas Sch. und Benedikt P. traten neuere Akteure aus München in Erscheinung. Unterstützung kam zudem aus Österreich. Mehrere Mitglieder der dortigen „Identitären Bewegung“, darunter Sebastian V. aus Martin Sellners Umfeld, bzw. Erik H. von der „Freiheitlichen Jugend“ reisten aus Österreich nach München. Die Versammlung zeigte entsprechend, wie eng die einzelnen nationalen Strukturen der IB miteinander verbunden sind.
In der Spitze beteiligten sich 16 Personen an der Kundgebung, die von Beginn an von Gegenprotesten begleitet war. Für die IB bedeutete dies erhebliche Einschränkungen: Ein wesentlicher Teil der geplanten Öffentlichkeitsarbeit – insbesondere die Verteilung von Flugblättern – konnte aufgrund der räumlichen Situation und des Gegenprotests kaum umgesetzt werden.
Wie üblich diente die Versammlung auch dazu, Bildmaterial für die Inszenierung in den sozialen Netzwerken zu generieren. Mehrere Teilnehmer suchten sichtbar die Konfrontation mit dem Gegenprotest oder reagierten auf diesen mit provokanten Gesten. Einzelne Teilnehmer zeigten das „White-Power“-Zeichen, das von der extremen Rechten genutzt wird, um die Überlegenheit der „Weißen Rasse“ zu demonstrieren.
Aktionen gestalten „Identitäre“ häufig so, dass aus einer kleinen Veranstaltung Bilder und kurze Videoclips entstehen, die anschließend über soziale Netzwerke verbreitet werden können. Die tatsächliche Außenwirkung oder Zahl der anwesenden Personen ist dabei weniger entscheidend als die Frage, welche Bilder produziert und anschließend verbreitet werden können. Deshalb wird auf ein einheitliches Auftreten, in diesem Fall die weißen T-Shirts der Kampagne, geachtet. In München war diese Inszenierung allerdings deutlich durch den Gegenprotest erschwert. Die Teilnehmenden konnten sich nur eingeschränkt bewegen und ihr geplantes Material nur begrenzt verteilen.
Die Kundgebung kam nicht völlig überraschend. Bereits im Vorfeld waren im Münchner Stadtgebiet Aktivitäten im Zusammenhang mit der Kampagne festzustellen. Unter anderem wurden in Trudering-Riem Flugblätter der Kampagne verteilt.
Hinter den Aktionen steht die Kampagne „Save Europe Act“. Initiator*innen sind die niederländische Aktivistin Eva Vlaardingerbroek und der österreichische Identitären-Aktivist Martin Sellner. Inhaltlich fordert der „Save Europe Act“ unter anderem eine weitgehende Begrenzung außereuropäischer beziehungsweise als „nicht-europäisch“ definierter Migration sowie Maßnahmen zur sogenannten „Remigration“. Der Begriff bezeichnet nicht nur die Abschiebung von Menschen ohne Aufenthaltsrecht, sondern wird weiter gefasst und schließt auch die Ausweisung von Menschen ein, die nach Auffassung der Initiator*innen nicht ausreichend integriert sind oder als Belastung für europäische Gesellschaften angesehen werden. Ihr Ziel ist ein nach rassischen Gesichtspunkten homogenisiertes „weißes Europa“.
Die Kampagne versucht dabei, ihre politischen Forderungen als europäisches Bürgerbegehren zu präsentieren. Dafür sollte eine Europäische Bürgerinitiative registriert werden. Am 8. Juni 2026 reichten die Organisator*innen einen entsprechenden Antrag bei der Europäischen Kommission ein. Die lehnte die Registrierung jedoch mit Beschluss vom 22. Juli 2026 ab. In ihrer Entscheidung kommt sie zu dem Ergebnis, dass die Initiative offenkundig gegen die in Artikel 2 des EU-Vertrags festgeschriebenen Werte der Union sowie gegen Rechte aus der EU-Grundrechtecharta verstoße. Die Initiative wurde daher nicht registriert und kann daher nicht das reguläre Verfahren einer Europäischen Bürgerinitiative durchlaufen. Die Organisator*innen wollen die Entscheidung nach eigenen Angaben juristisch anfechten und führen die Kampagne unabhängig davon weiter.
In den vergangenen Monaten wurden vergleichbare Aktionen wie die in München unter anderem in Belgien, den Niederlanden und Frankreich durchgeführt; weitere Kundgebungen beziehungsweise Banneraktionen wurden für Städte wie Barcelona, Madrid, Lissabon, Mailand, Wien, Bratislava, Prag und Dresden durchgeführt bzw. angekündigt. Dabei werden großformatige Banner eingesetzt, Fotos und Videos produziert und anschließend über die sozialen Netzwerke verbreitet. Ein Beispiel dafür war eine Aktion am 15. Juli 2026 in Brüssel, bei der Unterstützer*innen des „Save Europe Act“ vor dem Europäischen Parlament auftraten. Auch dort wurde die Kampagne mit einer öffentlichkeitswirksamen Inszenierung verbunden. In anderen Städten stießen vergleichbare Aktionen auf behördliche Einschränkungen oder Gegenproteste.
Für München ist bereits die nächste Aktion angekündigt: Am 25. Oktober 2026 soll erneut eine Veranstaltung im Zusammenhang mit dem „Save Europe Act“ stattfinden. Geplant ist nach bisherigen Ankündigungen unter anderem eine großformatige Banneraktion an einem Ort mit erkennbarem Bezug zur Europäischen Union. Die bisherigen Aktionen in anderen europäischen Städten geben dabei einen Hinweis darauf, welche Form eine solche Veranstaltung annehmen kann: kurze Redebeiträge, das Entrollen eines großformatigen Banners, gemeinsame Fotos und Videoaufnahmen sowie eine möglichst öffentlichkeitswirksame Inszenierung. Die Kundgebung vom 20. September 2026 hat gezeigt, dass die Münchner Aktivitäten der „Identitären Bewegung“ inzwischen eng mit einer europaweit ausgerichteten Kampagne verbunden sind. Gleichzeitig zeigte der massive Gegenprotest, dass die öffentliche Präsenz der Gruppe in München weiterhin auf erheblichen Widerstand stößt.